Richtfest – und der Sinn von symbolischen Handlungen

www.apprico.de RichtfestDas Richtfest kennt wahrscheinlich jeder von uns. Wenn der Rohbau eines Gebäudes fertiggestellt und der Dachstuhl errichtet ist, wird gefeiert. Dieser Brauch geht bis ins 14. Jahrhundert zurück und hat als festliche Zusammenkunft von alters her etwas den Stellenwert des Erntedankfestes.

Das Dach wird dabei mit dem Richtkranz oder Richtbaum geschmückt und meist hält einer der Zimmerleute eine kurze Ansprache – den Richtspruch. Ein Dank an Architekt und Bauherr, eine Bitte für Gottes Segen für das Haus. Das Schnapsglas, das der Redner wirft sollte zerschmettern – das gilt als gutes Omen.

Wissen Sie auch, wie wichtig es ist, dieses neue Haus beim Einzug angemessen zu begrüßen? Diese Räume bilden das neue Heim und man sollte sich ihnen nähern wie einem lieben Menschen.

Genau so wichtig ist es, sich gebührend von den bisher bewohnten Räumlichkeiten zu verabschieden. Sich zu bedanken, für das was man dort erlebt und erfahren hat. Man lässt doch immer ein Stück seines Lebens als Erinnerung dort zurück. Auch wenn man einmal nicht so schöne Erlebnisse hatte.

Mir persönlich ist  erst in den letzen Jahren bewusst geworden, wie wichtig das ist. Ich wusste es vor meiner Ausbildung nicht. Schade, denn ich bin sehr oft umgezogen in den letzen 12 Jahren.

Meiner Werkstatt damals adieu  zu sagen war sehr schmerzhaft. Bedankt für alles Gute dort habe ich mich nicht. Viele Räume, die ich in den ersten Jahren danach bewohnt habe, haben Schmerzhaftes und viel Trauer miterlebt. Aber dort habe ich mich auch zu dem Menschen entwickelt, der ich heute bin. Im Nachhinein kann ich dankbar sein.

Ich praktiziere es nun seit Jahren und kann jedes Mal mit einem guten Gefühl gehen und in neuen Räumen weitermachen. Auch meinen Kunden rate ich dazu. Denn leider wird es im Umzugs-Stress viel zu oft vergessen.

Was dieses Begrüßen oder Verabschieden bringt? Man geht bewusst von einem Raum in den nächsten. In mehr als einem Sinn. Leben heißt RÄUME DURCHSCHREITEN!